Titel: Verbindung von Schwefelsäure mit Salpetersäure.
Fundstelle: Band 201, Jahrgang 1871, Miszellen, S. 81
Verbindung von Schwefelsäure mit Salpetersäure. In einen Glaskolben, welcher concentrirte, von nitrösen Dämpfen möglichst befreite Salpetersäure enthält, und welcher mit Eis gut gekühlt wird, leitete Hr. Rudolph Weber langsam und vorsichtig Dämpfe von wasserfreier Schwefelsäure. Es trat unter starker Wärmeentwickelung eine Reaction der beiden Säuren auf einander ein, und nach einiger Zeit erschienen an der Wandung des Gefäßes Krystalle, welche von der Flüssigkeit wieder aufgelöst wurden. Bald wurde der Inhalt des Kolbens dickflüssig, ölartig, und schied bei einer gewissen Concentration Krystalle ab, die noch stark mit Mutterlauge getränkt waren und sehr sorgfältige Trocknung erforderten. Sie waren dann farblos und in hohem Grade zerfließlich. Die chemische Analyse dieser Krystalle ergab, daß sie aus Schwefelsäure, Salpetersäure und Wasser bestehen, und zwar entsprachen die Mengen der Bestandtheile der Formel 4SO3, 1N2O5, 3H2O. Hr. Weber vermuthet, daß die Constitution dieser Krystalle einer Doppelverbindung von Schwefelsäure-Salpetersäure mit Schwefelsäurehydrat entspricht, und durch die Formel SO3 N2O5 + 3SO3H2O ausgedrückt wird. „Die Existenz dieser Verbindung setzt außer Zweifel, daß die stärksten Säuren mit einander verbindbar sind; sie zählt zu den vielen anderen Thatsachen, welche die Annahme als unhaltbar erwiesen haben, daß Körper von ähnlichen Fundamentaleigenschaften nur in verhältnißmäßig wenigen Fällen mit einander sich vereinigen sollen. Wie dieser Fall erweist, dürfte es vielmehr nur darauf ankommen, die für eine Vereinigung derartiger Körper günstigen Bedingungen herbeizuführen.“ (Poggendorff's Annalen, 1871, Bd. CXLII S. 602.)