Titel: | Ueber Heliogravüre in Strichmanier und in Halbtönen; von Dr. J. M. Eder in Wien. |
Autor: | Josef Maria Eder |
Fundstelle: | Band 244, Jahrgang 1882, S. 154 |
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Ueber Heliogravüre in Strichmanier und in
Halbtönen; von Dr. J. M. Eder in Wien.
J. M. Eder, über Heliogravüre in Strichmanier und in
Halbtönen.
Von den zwei Hauptmethoden der Heliogravüre oder Photogravüre,
nämlich der Methode mittels der Galvanoplastik und jener mittels der Aetzung, kommt
erst in neuerer Zeit die letztere zur raschen Entwicklung.
Als Ausgangspunkt dient Talbot's Methode, heliographische Stahlstiche herzustellen
(vgl. 1853 128 296). Er überzog eine Stahlplatte mit
einem Gemische von Leim und Kaliumbichromat, welches getrocknet und unter einem
positiven Bilde einige Minuten den Sonnenstrahlen ausgesetzt wurde. Die Platte wurde
dann nach einander mit Wasser und Alkohol behandelt, getrocknet und mit einer nahezu
gesättigten Lösung von Platinchlorid, an dessen Stelle später Eisenchlorid benutzt
wurde, übergössen; diese drang nur an den nicht vom Lichte getroffenen Stellen ein
und ätzte die Platte an. Später stäubte Talbot die
ganze Schicht mit Harzpulver ein, welches er durch Wärme aufschmolz, um die Schicht
zu körnen. Um Schattirungen auf das Bild zu bringen, bedeckte Talbot zuerst die lichtempfindliche Schicht mit Krepp
oder schwarzer Gaze. Dadurch entstand eine groſse Menge feiner Linien, welche
nachher durch den aufgelegten Gegenstand dort, wo das Licht stark wirkte, wieder
zerstört wurden und nur in den dunklen Partien als feine Schattirung zurückblieb.
Nach diesem Verfahren arbeiteten Disdéri in Paris und
Girard in Marseille mit nicht ungünstigem
Erfolge.Vgl. Martin: Emailphotographie, 1872 S.
169.
H. Garnier beschäftigte sich gleichfalls mit der
Heliogravüre seit den 50er Jahren. Schon i. J. 1855 veröffentlichte er (1855 136 208) seinen Quecksilberproceſs: Die zu copirende
Zeichnung wurde durch einige Minuten Joddämpfen ausgesetzt, dann auf eine Kupfer-
oder Messingplatte gelegt. An den Strichen der Zeichnung condensirten sich
JoddämpfeDiese Erscheinung wurde schon von Niepce de
Victor i. J. 1847 zum Uebertragen von Zeichnungen auf Stärkepapier
benutzt., welche von dort auf die Platte übergingen. Das
Jodkupfer amalgamirte sich beim Reiben mit Quecksilber leicht, nicht so Kupfer.
Walzte man eine solche Platte mit fetter Farbe ein, so haftete diese nicht am
Amalgam, sondern nur an den frei gebliebenen Stellen; die aufgetragene fette Farbe
diente als Aetzgrund für die Aetze mittels saurer Silberlösung. – Das Verfahren kam
nie zur praktischen Ausführung.
Garnier schlug in der Folge ein anderes Verfahren ein,
dessen Resultate er in der Pariser Weltausstellung 1867 vorführte; er erhielt für seine herrliche
Platte des Schlosses Maintenon eine goldene Medaille und den groſsen Preis von 10000
Franken.Vgl. Photographische Mittheilungen, Bd. 18 S.
240. Die Methode, nach welcher er arbeitete, wurde erst kürzlich
veröffentlicht.Bulletin de la Société d'Encouragement, 1881 Bd.
8 S. 573. Photographische Correspondenz, Bd. 19
S. 27. Photographische Mittheilungen, Bd. 18 S.
240. Man muſs bei der Ausführung stets die Herstellung von
linearen Zeichnungen und von Darstellungen in Halbtönen wohl unterscheiden.
1) Lineare Heliogravüre: Auf einer Kupferplatte wird
eine sehr dünne Schicht aus 2g Zucker, 1g Ammoniumbichromat und 14g Wasser hergestellt und getrocknet, indem man die
Platte über einer heiſsen Platte mittels einer Drehscheibe rasch rotiren läſst.
Diese Schicht wird unter einem Positiv 1 Minute dem Sonnenlicht oder 3 Minuten dem
elektrischen Licht ausgesetzt. Die vom Lichte getroffenen Stellen sind nicht mehr
hygroskopisch, während die geschützten Stellen klebrig bleiben und darauf gestreuten
Staub feshalten, welcher im Verein mit der Feuchtigkeit den eingestaubten Stellen
den Zusammenhang nimmt, besonders wenn er schwach alkalisch war. Um die belichteten
Stellen widerstandsfähiger zu machen, erwärmt man die Platte stark. Die nicht
belichteten Stellen sind porös und lassen Eisenchloridlösung von 45° B.
durchdringen; dadurch erfolgt das Aetzen in wenigen Minuten. Schlieſslich wird durch
Bürsten mit Lauge die Reservage entfernt.
2) Heliogravüre in Halbtönen: Für Porträte, Landschaften
u. dgl. Werden Halbtöne durch 3malige Wiederholung des vorigen Verfahrens erzeugt.
Die Kupferplatte wird, wie vorhin erwähnt, vorgerichtet und nun unter dem Positiv,
z.B. 4 Minuten lang, exponirt. So bilden sich nur die ganz schwarzen Stellen ab; man
stäubt ein und ätzt, Wonach nur die schwarzen Stellen zum Vorschein kommen. Die
Platte wird nun vollkommen gereinigt, nochmals mit der empfindlichen Mischung
übergössen und unter demselben genau an die gleiche Stelle wie früher aufgelegten
Bilde durch 2 Minuten exponirt; beim Aetzen erscheinen die tieferen Schwärzen und
die weniger hervortretenden Töne. Durch Wiederholung des Vorganges und 1 Minute
Exposition Werden die lichtesten Töne erhalten.
3) Heliogravüre für Buchdruck: Wenn eine lineare
Zeichnung in Relief für den Buchdruck vervielfältigt werden soll, so stäubt man mit
Asphalt ein, erwärmt mäſsig, damit der Asphalt cohärent wird und am Metall haftet,
der Chromatzucker aber nicht unlöslich wird. Man wäscht die Platte mit Wasser,
wodurch der ganze Chromatzucker entfernt wird und nur die Asphaltstriche
zurückbleiben. Nun ätzt man mit Eisenchlorid, wodurch die Zeichnung als Relief
erscheint.
4) Atmographie: Nimmt man eine gravirte Kupferplatte,
füllt die Vertiefungen
mit gepulvertem Albumin aus und setzt die Platte durch kurze Zeit Fluſssäuredämpfen
aus, so verdichtet sich Fluſssäure im Pulver, ohne die Metallfläche anzugreifen. Man
breitet ferner eine Lösung von Zucker und Borax auf eine beliebige Fläche (aus
Metall, Papier oder Glas) aus und bringt sodann beide Flächen durch einige Secunden
in Berührung. Unter Einwirkung der sauren Dämpfe bildet sich zerflieſsliches
fluorborsaures Natron, der Zucker wird klebrig und, indem man ein Pulver auf diese
Fläche aufträgt, erscheint das Bild.
Ein anderes Verfahren der Heliogravüre befolgten Stroubinsky und GobertBulletin de la Société photographique, Bd. 18 S.
20. Photographische Correspondenz, Bd. 19 S.
27.. Die Anregung gab zuerst der Erstgenannte durch eine
Mittheilung vor der Pariser photographischen Gesellschaft im Mai 1881. Stroubinsky überzog Kupferplatten mit einer Lösung von
5 Th. Gummi, 2 Th. Ammoniumbichromat und 100 Th. Wasser, trocknete, belichtete und
überzog mit einer Lösung von Asphalt in Benzin. Nach dem Trocknen wurde mit Wasser
entwickelt und mit 30 bis 50 Proc. Eisenchloridlösung geätzt. Der Asphalt dient zur
Verstärkung der Striche, erschwert aber die Entwicklung. Diesen Uebelstand vermeidet
Gobert durch Benutzung von Albumin. Er nimmt 100cc Albumin, 50cc
Wasser und 2g,5 Ammoniumbichromat. Das Bild wird
nun mit Wasser entwickelt, getrocknet und sofort geätzt.
Genaue Angaben über die Heliogravüre mit Chromatgummi sowohl auf
Kupfer, als Zink machte Mariot aus dem k. k.
militärgeographischen Institute in WienPhotographische Correspondenz, 1881 Bd. 18 S.
193.: Er löst in 630g Wasser,
63g Gummi arabicum, 21g Kaliumbichromat, 9g Traubenzucker und so viel Ammoniak, daſs die Mischung strohgelb
erscheint, und setzt dann 7g Chromsäure zu. Diese
Mischung wird auf eine horizontal rotirende Zink- oder Kupferplatte in dünner
Schicht aufgetragen, bei mäſsiger Wärme getrocknet und dann auf 12 bis 15 Grad des
Vogel'schen Scalenphotometers belichtet. Als Aetze dient Eisenchlorid in 4 Th.
Wasser gelöst bei 22,5 bis 25°. Je reicher an Wasser die Aetze, desto rascher wirkt
sie, je concentrirter sie ist, desto langsamer. Unter normalen Umständen sind die
starken Linien in ½ Minute, die feinsten in 4 Minuten erschienen. Schlieſslich wird
mit Wasser gewaschen und durch eine Lösung von 5 Th. Aetzkali in 100 Th. Wasser und
100 Th. Alkohol die Deckschicht entfernt. – Diese Methode wird im
militärgeographischen Institute besonders zur Herstellung von Landkarten benutzt; es werden meistens Zinkplatten
verwendet. Diese Drucke von Zink-Tiefdruckplatten werden „Photochemigraphien“
genannt, zum Unterschied von der „Photozinkotypie“, worunter Hochdruckplatten
verstanden werden.
Auſserdem erzeugen noch Klic. in Wien, Dujardin in Paris und Schmid in Wien Heliogravüren in Halbtönen durch Aetzung von Kupferplatten,
ohne daſs etwas Näheres über ihre Methode bekannt geworden wäre.
Wien, Februar 1882.