| Titel: | Die deutschen Werkzeugmaschinen auf der Londoner Industrie-Ausstellung. |
| Fundstelle: | Band 167, Jahrgang 1863, Miszellen, S. 233 |
Die deutschen Werkzeugmaschinen auf der Londoner
Industrie-Ausstellung.
Bei den mannichfachen Hindernissen, welche sich dem Deutschen bei seinen
industriellen Unternehmungen, namentlich in der Fabrication von solchen Artikeln,
welche bisher aus dem Auslande bezogen wurden, entgegenstellen, ist es eine
erfreuliche Wahrnehmung, wie sich ein Industriezweig nach dem andern der Art
herausarbeitet, daß er seiner intelligentesten Concurrrenz ebenbürtig an die Seite
gestellt werden kann. Dieses Stadium ist bei dem deutschen Werkzeugmaschinenbau nach
dem Urtheile des Auslandes und zwar der Presse unseres würdigen Rivalen – Alt
Englands – bereits eingetreten.
In The Practical Mechanic's Journal record of the Great
Exhibition, 1862, part VI pag. 302 spricht sich der Berichterstatter über die
Werkzeugmaschinen, Robert Mallet, Mitglied des Instituts
der Civilingenieure und der Royal Society folgendermaßen
aus:
„In der Gruppe der Werkzeugmaschinen haben sich die fremden Aussteller nicht zahlreich gezeigt. Frankreich insbesondere, entsprach den Erwartungen nicht. Aus Preußen stellten Hamann,
März, Offenhammer und Schwarzkopf, sämmtlich in Berlin, nur eine kleine Anzahl dieser
Maschinen aus. Aus Schweden sandten Bolinder und Comp. in
Stockholm eine Hobelmaschine. Von den meisten anderen ausländischen Nationen war
von Werkzeugmaschinen wenig oder nichts zu sehen.“
„Bei Allem diesem fand eine merkwürdige
Ausnahme statt. Aus dem Königreich Sachsen stellte
Zimmermann in Chemnitz eine ziemlich reichliche
Auswahl von großen Werkzeugen aus, welche, wie wir nicht anstehen zu sagen, mit den besten rivalisiren, die ausgestellt waren, selbst
Whitworth's nicht ausgenommen. Die große Hobelmaschine insbesondere
verdient Beachtung. Diese Werkzeuge erscheinen dem englischen Auge etwas leicht
in den Dimensionen; aber diejenigen, welche auch mit dem bloßen Auge die Güte
des Gußeisens einigermaßen beurtheilen können, werden aus dem schönen
Silberglanz der glatten Oberflächen dieser Werkzeuge erkannt haben, daß sie aus
einem Material hergestellt sind, welches nicht allein
eine aus die Dauer größere Festigkeit, sondern auch eine größere Härte
(Steifigkeit) besitzt, als jemals das von uns gewöhnlich
verwendete brittische gemischte Gußeisen.“
„Aus der scheinbaren Leichtigkeit der ausländischen Werkzeuge, sowie der
ausländischen Dampfmaschinen, folgt daher keineswegs, daß dieselben nothwendig
verhältnißmäßig schwächer sind als die brittischen.“
„Diese Werkzeuge bekunden, wenigstens in einem
Beispiele, einen unermeßlichen Fortschritt des Auslandes
seit 1851. Wir würden sie gern einer vergleichenden Prüfung mit einigen
der besten brittischen unterworfen gesehen haben.“
Die Jury, welche selbstverständlich aus den competentesten Sachverständigen bestand,
hat Hrn. Joh. Zimmermann die Preismedaille zuerkannt.
Wir können beifügen, daß in der Maschinenfabrik von Joh. Zimmermann in Chemnitz kein einziger Ausländer als Director, Meister oder
Arbeiter fungirt.
Die Redaction.