Titel: Das neue Metall „Hydrogenium.“
Fundstelle: Band 191, Jahrgang 1869, Miszellen, S. 251
Das neue Metall „Hydrogenium.“ Im Verlaufe seiner Versuche über das Verschlucken von Wasserstoffgas durch Palladium kam Th. Graham auf die Ansicht, daß das Palladium mit dem Wasserstoff, welchen es eingeschlossen enthält, eine Legirung darstellt, worin die Flüchtigkeit des einen Bestandtheiles (des Wasserstoffes) durch seine Vereinigung mit dem anderen (dem Palladium) aufgehoben ist, und welche ihr metallisches Ansehen den beiden Bestandtheilen gleichmäßig verdankt. In einer Abhandlung, welche er vor Kurzem in der Royal Society zu London vorlas, theilt er zur Unterstützung dieser Ansicht eine Reihe von Versuchen mit; es ist ihm nämlich gelungen, einen Palladiumdraht sein 800- bis 900faches Volum Wasserstoff absorbiren zu lassen, und dem so condensirten Wasserstoff gibt er den Namen „Hydrogenium.“ Aus seinen Versuchen geht hervor, daß die Dichtigkeit des in solchem Grade mit Wasserstoff beladenen Palladiums sich bedeutend vermindert hat; die mittlere Dichtigkeit des Hydrogeniums (der Legirung von Palladium mit Wasserstoff) ist nämlich 1,951 oder beiläufig 2; seine absolute Festigkeit und seine elektrische Leitungsfähigkeit sind geringer als diejenigen des Palladiums; sein Leitungsvermögen ist aber doch noch beträchtlich, nämlich gleich 5,99, und kann daher für den metallischen Charakter des zweiten Bestandtheiles des Drahtes (des Wasserstoffes) geltend gemacht werden. Andererseits ist das Hydrogenium magnetischer als das Palladium, im Verhältnis von 48 zu 10; es tritt daher, wie Graham bemerkt, aus der Classe der diamagnetischen Metalle heraus, um seine Stelle in der Gruppe der mit dem Eisen, Nickel, Kobalt, Chrom und Mangan paramagnetischen Metalle einzunehmen. (Athenaeum vom 16. Januar 1869.) Dumas hat im Namen Graham's dessen erwähnte Abhandlung über das Verhalten des Wasserstoffes zum Palladium der französischen Akademie in ihrer Sitzung vom 18. Januar übergeben. Der Palladiumdraht, welcher der Akademie gezeigt wurde, hatte sein 950faches Volum Wasserstoff absorbirt; die Verbindung oder Legirung bestand daher aus einem Aequivalent Palladium auf ein Aequivalent Wasserstoff. Der Draht, welcher ursprünglich 481 Millimeter lang war, maß nach der Absorption 487 Millimet. Wenn man den Wasserstoff durch Erhitzen austreibt, kommt der Draht keineswegs auf seine ursprüngliche Länge zurück, wie man vermuthen könnte, sondern er verkürzt sich und wird dicker. Läßt man ein zweites, drittes, viertes Mal etc. Wasserstoff vom Drahte absorbiren, und treibt das Gas durch Erhitzen aus, so ist die Verkürzung eine zweimal, dreimal etc. größere; dieß beweist, daß der moleculare Zustand des Palladiums eine beträchtliche Modification erlitten hat. – Das wirksamste Mittel, um Wasserstoff vom Palladiumdraht absorbiren zu lassen, besteht darin, sich dieses Drahtes als negativer Elektrode bei der Zersetzung des Wassers durch den galvanischen Strom zu bedienen;Man s. „Graham's Versuche über das Verschlucken von Gasen durch Metalle,“ S. 210 in diesem Heft. hierbei condensirt sich der Wasserstoff im Entstehungszustande stark im Palladium. Wurtz erinnerte bei dieser Veranlassung in der Akademie an seine Versuche über die Hydrüre von Kupfer, Palladium etc., welche er in Form pulverförmiger Niederschläge erhielt. (Les Mondes, t. XIX p. 126. vom 21. Januar 1869.)