| Titel: | Ueber das galvanische Verhalten des Palladiums; von Professor I. C. Poggendorff. |
| Fundstelle: | Band 192, Jahrgang 1869, Miszellen, S. 426 |
Ueber das galvanische Verhalten des
Palladiums; von Professor I. C. Poggendorff.
In seiner merkwürdigen Arbeit über das Hydrogenium (polytechu. Journal Bd. CXCI S. 382)
hat Graham unter Anderem gezeigt, daß das Palladium, wenn
Es Wasserstoff einsaugt, sich ausdehnt, und wenn Es denselben verliert, sich noch
stärker zusammenzieht. Ein Palladiumdraht, der anfangs 609,444 Millimeter maß,
verlängerte sich durch vollständige Sättigung mit Wasserstoff um 9,77 Mllm. und kam
nach Austreibung des Gases auf 599,444 Mllm. zurück, verkürzte sich also um 9,7
Mllm.
Beide Erscheinungen lassen sich, sobald man gerade keine numerischen Bestimmungen
verlangt, in sehr demonstrativer Weise darthun, wenn man das Palladium auf
elektrolytischem Wege mit Wasserstoff imprägnirt, und sich dabei einer sehr dünnen
platte bedient. Ich wandte eine Platte an, welche bei 118,0 Mllm. Länge und 28,0
Mllm. Breite, nur 0,1 Mllm. dick war und 8,0 Mllm. entfernt von einer Platinplatte
in verdünnter Schwefelsäure stand.
Verbindet man dieses Plattenpaar mit einer kleinen Grove'schen Batterie von zwei Elementen in der Weise, daß sich das Palladium
mit Wasserstoff beladen muß, so sieht man dasselbe schon nach wenigen Minuten sich
vom Platin abbiegen und ganz beträchtlich krümmen. Nach ungefähr einer Viertelstunde
hat diese Krümmung ihr Maximum erreicht. Nun tritt eine entgegengesetzte Krümmung
ein, vermöge welcher die Platte sich anfangs gerade richtet, dann sich noch mehr dem
Platin zu biegt, und
endlich mit demselben in Berührung kommt, wodurch dann der elektrolytische Proceß
seine Endschaft erreicht. Der Grund dieser doppelten Krümmung der Palladiumplatte
ist offenbar einfach der, daß sich zuerst ihre dem Platin zugewandte Seite und
später die andere mit Wasserstoff sättigt.
Ist hierdurch die Ausdehnung des Palladiums bei Aufnahme von Wasserstoff dargethan,
so läßt sich andererseits die Zusammenziehung des Metalles bei Austreibung des Gases
fast noch augenfälliger machen. Dazu ist nur erforderlich, daß man die Platte,
nachdem sie auf das Maximum ihrer ersten Krümmung gekommen ist, aus der Flüssigkeit
nimmt, abspült, abtrocknet und über eine Weingeistflamme bringt. So wie sie hier
hinreichend heiß geworden ist, krümmt sie sich in entgegengesetztem Sinn,
außerordentlich rasch und so stark, daß sie förmlich aufgerollt erscheint.
Schließlich mag noch bemerkt seyn, daß wiewohl Es Graham
und Wurtz nicht geglückt ist, auf rein chemischem Wege
ein Palladiumhydrür darzustellen, doch eine solche Verbindung durch den
elektrolytischen Proceß gebildet zu werden scheint; denn die verdünnte
Schwefelsäure, in welcher dieser Proceß vorgenommen wird, färbt sich intensiv braun,
ohne sich zu trüben oder etwas abzusetzen. Eine Lösung von Aetzkali oder Ammoniak,
welche, nach einer vor vielen Jahren von mir gemachten Beobachtung, durch das Tellur
eine so schön und tief rothe Färbung bekommt, bleibt dagegen mit Palladium
wasserklar und ungefärbt. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin,
1869, Nr. 4.)