| Titel: | Bericht des deutschen Patentamtes für das Jahr 1878. |
| Fundstelle: | Band 235, Jahrgang 1880, Miszellen, S. 160 |
Bericht des deutschen Patentamtes für das Jahr 1878.
Dem vom Vorsitzenden des kais. Patentamtes an den Reichskanzler für das J. 1878
erstatteten BerichteVgl. Patentblatt, 1879 Nr. 49. – Der
vollständige Bericht ist auch in Sonderausgabe für 5 M. in Karl Heymann's Verlag in Berlin erschienen. –
Vom Neujahr 1880 ab erscheint das Patentblatt
in erweiterter Form, indem die ertheilten Reichspatente in auszugsweiser
Beschreibung mit erläuternden Abbildungen veröffentlicht werden.,
welcher mit ausführlichen Ziffertabellen und übersichtlichen Farbendrucktafeln
belegt ist, sind nachfolgende Mittheilungen entnommen.
Eine Uebersicht der Geschäfte des Patentamtes seit Beginn seiner Thätigkeit (1. Juli
1877) bis Ende 1878 gewährt nachstehende Tabelle:
2. Halbjahr1877
1. Halbjahr1878
2. Halbjahr1878
Summe
Anmeldungen von Patenten und Zusatzpatenten
3212
3124
2858
9194
Einsprüche
327
374
366
1067
Beschwerden
105
270
377
752
Anträge auf Nichtigkeitserklärung
–
18
41
59
Nachträge, Zwischencorrespondenzen und durchden
Geschäftsgang bedingte Vorlagen
2822
7085
12953
22860
Anfragen, Dienstgesuche, innere Angelegenh. u.a.
703
827
1072
2602
––––––––
––––––––
––––––––
––––––––
Summe der Journalnummern
7169
11698
17667
36534
––––––––
––––––––
––––––––
––––––––
Vor Veröffentlichung zurückgewiesene Anmeldgn.
271
647
811
1729
Zur Veröffentlichung zugelassene Anmeldungen
1674
2387
2420
6481
Zurückgezogene Anmeldungen
3
20
43
66
Nach Veröffentlichung der Anmeld. versagte Patente
–
50
137
187
Ertheilte Patente
190
1662
2538
4390
Gelöschte Patente
–
17
144
161
Nichtig erklärte Patente
–
–
2
2
Die Einnahmen betrugen vom 1. Juli 1877 bis 31. December 1878 475 704,93, die
Ausgaben 351199,93 M.
Aus einer Karte ist zu erkennen, in welcher Weise sich die für die einzelnen Staaten
und Landestheile verliehenen Patente auf die verschiedenen Industriegruppen
vertheilen. Daraus ersieht man u.a., daſs innerhalb Deutschland die Stadt Berlin
(611 Patente) weitaus an erster Stelle steht; demnächst folgt die Rheinprovinz
(457), das Königreich Sachsen (397), die Provinzen Westfalen (214), Sachsen (207),
Schlesien (195), das Königreich Bayern (159), die Provinz Hessen-Nassau (153), die
Stadt Hamburg (111), die Provinz Brandenburg (109), die Provinz Hannover (106), das
Groſsherzogthum Baden (99), das Königreich Württemberg (95), das Groſsherzogthum
Hessen (66) u.s.w.; die Reichslande zählen 42 Patente. Das Ausland ist betheiligt:
England mit 316, Frankreich mit 242, die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit
167, Oesterreich-Ungarn mit 139, Belgien und die Schweiz mit je 48, Rufsland mit 25,
Schweden mit 18, Italien und Dänemark mit je 12, Holland mit 11 Patenten.
In den Procentzahlen nach der Einwohnerzahl steht obenan Berlin mit 63 Patenten auf
je 100 000 Einwohner; es folgen Stadt Hamburg 28½, Stadt Bremen 19, Herzogthum
Anhalt 159/10,
Königreich Sachsen 143/10, Fürstenthum Reuſs (ältere Linie) 127/10, Herzogthum Braunschweig 12½, Freie
und Hansestadt Lübeck 123/10, Rheinprovinz 12, Provinz Westfalen 111/5, Provinz
Hessen-Nassau 102/5, Provinz Sachsen 9½, Herzogthum Sachsen-Coburg-Gotha 73/5,
Groſsherzogthum Hessen 72/5, Groſsherzogthum Baden 6½, Fürstenthum Reuſs (jüngere Linie) 62/5, Provinz
Schleswig-Holstein 51/5, Provinz Hannover 51/5, Provinz Brandenburg (ausgen. Berlin) 5, Provinz
Schlesien 5, Königreich Württemberg 5, Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt 39/10,
Groſsherzogthum Sachsen-Weimar 37/10, Provinz Pommern 31/10, Königreich Bayern 31/10,
Groſsherzogthum Oldenburg 31/10.
Der interessante Bericht schlieſst mit den Worten: „Nicht allein in den einzelnen
Patenten und in der groſsen Zahl, nicht allein in der Befriedigung und Belohnung
des einzelnen Erfinders, viel mehr noch in der gemeinsamen, anregenden und
fördernden Thätigkeit auf dem gesammten Gebiete der industriellen Thätigkeit
wird der wahre Werth und die wahre Bedeutung der noch jungen Institution zu
finden sein. Das Patentwesen kann und muſs behilflich sein, das Bewuſstsein der
einheitlichen Aufgabe unserer Industrie zu stärken, das letztere selbst
deutsch-national zu gestalten und den deutschen Namen als solchen auch auf
diesem Gebiete mehr und mehr zur Geltung und zur Ehre zu bringen. Neuere
Vorgänge auf dem Gebiete der Vereins thätigkeit lassen in dieser Beziehung
erfreuliche Anfänge erkennen.“