| Titel: | Zur Kenntniss der Fäulnissvorgänge. |
| Fundstelle: | Band 235, Jahrgang 1880, Miszellen, S. 245 |
Zur Kenntniſs der Fäulniſsvorgänge.
Während die Sproſspilze (Hefe u.s.w.) vorzugsweise die Zersetzung der Kohlehydrate
bewirken und am besten in Zucker haltigen Säften gedeihen, ist die Zahl der
organischen Stoffe, welche durch Spaltpilze zersetzt werden, eine unbegrenzte. Nicht
allein die Spaltung der Zuckerstoffe (die Milchsäure-, Buttersäure- und schleimige
Gährung) und der Proteinkörper (die Fäulniſs) wird durch Spaltpilze bewirkt, sondern
jede organische Verbindung, Kohlensäure und deren nächste Derivate ausgenommen,
sobald Ammoniak und gewisse Aschenbestandtheile zugegen sind, kann als Nährlösung
für die Spaltpilze dienen und wird durch sie zersetzt.
M. Nencki und F. Schaffer
(Journal für praktische Chemie, 1879 Bd. 20 S. 443)
haben nun die Beobachtung gemacht, daſs man die Bacterien durch Zusatz von etwa 2
Proc. Salzsäure und Erhitzen, aus einigen Flüssigkeiten auch schon durch Zusatz von
Essigsäure bei gewöhnlicher Temperatur abscheiden und dann auf einem Filter
sammeln kann, da durch Einwirkung der Säuren die Spaltpilze zusammenschrumpfen und
somit schwerer werden. Sie haben nun auf diese Weise in Gelatinelösung kultivirte
Bacterien in verschiedenen Entwicklungszuständen abgeschieden und bei der Analyse
folgende Procentzusammensetzung gefunden:
ReineZoogloea-masse
Zoogloea-masse
mitentwickeltenBacterien
ReifeBacterien
Wassergehalt
84,81
84,26
83,42
Fettgehalt der trocknen Substanz
7,89
6,41
6,04
Aschengehalt der entfetteten Substanz
4,56
3,25
5,03
Elementare Zusammensetzung der entfetteten
Substanz, aschenfrei berechnet
CHN
––14,34
53,07 7,7913,82
53,82 7,7614,02
u. 14,60
–
u. 13,82
Weitere Versuche zeigten, daſs Bacterien und auch Hefe, vielleicht alle niederen
Pilze eine eigentümliche Eiweiſssubstanz, das Mikroproteïn enthalten, dessen Zusammensetzung der Formel C25H42N6O9 entspricht. Es
zeigte sich ferner, daſs ähnlich wie bei der Hefe auch bei den Fäulniſsbacterien die
Zellmembran bildenden Schichten nicht ausschlieſslich aus einem Cellulose artigen
Körper bestehen, sondern auch Eiweiſs enthalten.
Unter Zugrundlegung des Stickstoffgehaltes im Bacterieneiweiſs von 14,75 Proc. und
der wahrscheinlichen Annahme, daſs aller Stickstoff der Bacterien als Eiweiſs
vorhanden ist, ergibt sich somit für die Trockensubstanz der Bacterien folgende
Procentzusammensetzung:
Zoogloeamasse
Zoogloeamasseund Bacterien
Reife Bacterien
Eiweiſs
85,76
87,46
84,20
Fett
7,89
6,41
6,04
Asche
4,20
3,04
4,72
Nicht bestimmter Rest
2,15
3,09
5,04.
M. Nencki (a. a. O. S. 466) hat ferner seine
Untersuchung über das Skatol fortgesetzt (vgl. 1879 234
339). Danach kommt demselben die Formel C9H9N zu und ist dasselbe wahrscheinlich als
Methylindol aufzufassen.