| Titel: | Die Dampfyacht Livadia. |
| Fundstelle: | Band 238, Jahrgang 1880, Miszellen, S. 353 |
Die Dampfyacht Livadia.
Die für den Kaiser von Rufsland erbaute Dampfyacht Livadia, welche kürzlich ihre Leistungsproben bestanden hat und sich jetzt
auf dem Wege über Gibraltar nach dem schwarzen Meere befindet, ist nach dem System
der Rundschiffe des russischen Admirals Popoff erbaut.
Der unter Wasser befindliche Theil des Schiffes bildet nahezu eine Ellipse von 71m,63 (235 englisch Fuſs) Länge, 46m,63 (153 Fuſs) Breite- die auſsergewöhnliche Form
desselben soll dem Schiffe bei sehr geringem Tiefgang eine erhöhte Stabilität
ertheilen und dennoch eine hohe Geschwindigkeit zulassen. Auf diesem Schiffskörper
ist ein mit fabelhaftem Luxus ausgestatteter Palast erbaut, welcher, in 4
Stockwerken emporsteigend, der Livadia das äuſsere
Ansehen eines amerikanischen Fluſsdampfers gibt.
Die eigenthümliche Form des Schiffskörpers, welche so sehr von den gewöhnlich
angewendeten schlanken Linien der Dampfyachten ahweicht, sowie die enormen
Dimensionen des Schiffes veranlaſsten die lebhaftesten Auseinandersetzungen unter
den englischen Ingenieuren und es wurde vielfach angezweifelt, ob die Erbauer der
Livadia, die berühmte englische Firma John Eider and Co. in Glasgow, im Stande sein werden,
die garantirte Geschwindigkeit, 22km,53 (14
englische Meilen) in der Stunde, zu leisten. Nach glücklich erfolgtem Stapellauf
ergaben die Leistungen das überraschende Resultat, daſs die Livadia statt 14 sogar 16 Meilen in der Stunde zurücklegt, allerdings mit
dem für eine „Vergnügungsyacht“ enormen Aufwand von etwa 12400e indicirt.