| Titel: | Zur Kenntniss des Azobenzols. |
| Fundstelle: | Band 249, Jahrgang 1883, Miszellen, S. 394 |
Zur Kenntniſs des Azobenzols.
Trägt man nach J. V. Janovsky (Monatshefte für Chemie, 1883 S. 276) 100g Azobenzolparasulfosäure in 500 bis 550g Salpetersäure von 1,4 sp. G. ein, erwärmt die Masse bis zur völligen
Lösung auf 115° und läſst dann erkalten, so scheidet sich die schwerlösliche
Nitrosäure C12H8.NO2.N2.SO3H in glänzenden Nadeln ab, die gleich
zusammengesetzte Metasäure bleibt in der Mutterlauge.
Während nun die Metasäure zerflieſslich ist, schwer krystallisirt und stark gefärbte
Lösungen gibt, krystallisirt die zweite Nitrosäure in schönen Nadeln, welche sich
lange trocken halten und mit Wasser orangegelb, aber nicht intensiv gefärbte
Lösungen geben. Aus verdünnter Salpetersäure, welche selbst verdünnte wässerige
Lösungen der Nitrosäure fällt, krystallisirt dieselbe in rhombischen, der
Sulfanilsäure ähnlichen Blättern, welche lebhaft polarisiren, aus Wasser aber in
langen Nadeln, welche orangegelb sind und einen Brillantglanz besitzen. Beim
Behandeln mit Zinnchlorür und Salzsäure geht sie in die Amidoazobenzolparasulfosäure
über, welche blaſs gelbe Krystalle bildet, deren Kaliumsalz der Formel C12H8.NH2.N2.SO3K entspricht.
Die Formel C6H4.NH2.N2.C6H4.SO3H fällt nun mit jener zusammen, welche für die
Sulfosäure des Echtgelb (Anilingelb) angenommen wird.
Das letztere wird aus Sulfanilsäure durch Diazotirung und Condensirung mit Anilin
erzeugt; die Säuren sind jedoch durchaus verschieden.